Donnerstag, 10. Juni 2021, 18 Uhr

Lesung und Gespräch mit Jaroslav Rudiš 

Winterbergs letzte Reise                    und Musik von Hans Narva  

 

Moderation: Dr. Vera Schneider, Deutsches Kulturforum östliches Europa

 

 

Jan Kraus arbeitet als Altenpfleger in Berlin. Geboren ist er in Vimperk, dem früheren Winterberg, im Böhmerwald. Unter welchen Umständen er die Tschechoslowakei verlassen hat, das bleibt sein Geheimnis. Und sein Trauma. Kraus begleitet Schwerkranke in den letzten Tagen ihres Lebens. Die Zeit, die er mit seinen Patienten verbringt, nennt er „Überfahrt“. Einer von denen, die er auf der Überfahrt begleiten soll, ist Wenzel Winterberg, geboren 1918 in Reichenberg/Liberec. Als Sudetendeutscher wurde er nach dem Krieg aus der Tschechoslowakei vertrieben. Als Kraus ihn kennenlernt, liegt er gelähmt und abwesend im Bett. Es sind Kraus’ Erzählungen aus seiner Heimat Vimperk, die Winterberg aufwecken und ins Leben zurückholen. Doch Winterberg will mehr von Kraus, er will mit ihm eine letzte Reise antreten, auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe – eine Reise, die die beiden durch die Geschichte Mitteleuropas führt. Von Berlin nach Sarajevo über Reichenberg, Prag, Wien und Budapest. Denn nicht nur Kraus, auch Winterberg verbirgt ein Geheimnis. 

 

Jaroslav Rudiš, geboren 1972, ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Dramatiker. Im Luchterhand Literaturverlag erschienen bisher seine aus dem Tschechischen übersetzten Romane Grand Hotel (2008), Die Stille in Prag, Vom Ende des Punks in Helsinki (2014) und Nationalstraße (2016), beim btb außerdem Der Himmel unter Berlin (2004). Der erste Roman, den er auf Deutsch geschrieben hat, ist Winterbergs letzte Reise (2019). 2014 erhielt Jaroslav Rudiš den Usedomer Literaturpreis, 2015 den Georg-Dehio-Kulturpreis und 2018 den Preis der Literaturhäuser. Auf der Leipziger Buchmesse wurde Winterbergs letzte Reise 2019 in der Kategorie Belletristik nominiert.